Mal wieder ohne Titel

Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Beitrag nennen soll und wie ich ihn anfangen soll, ohne dass man mich falsch versteht und ich hier beschimpft werde. Vorweg: Ich respektiere alle Menschen, mit denen ich arbeite. Alle diese Menschen haben ihre Gründe, warum sie so sind wie sind. In 95% der Fälle ist das Leben der Jugendlichen, die wir betreuen an der ein oder anderen Stelle gründlich schief gelaufen, aber sie sind nicht doof. Teilweise ganz im Gegenteil sogar recht intelligent. Nun ja, bis auf eine…

Neulich haben sich folgende Gespräche zwischen mir und Anna-Lena ergeben.

A-L (blond, blauäugig): Ich finde Blondinenwitze voll doof, das ist ja voll gemein!

Ich (blond, blauäugig): Ja, hast schon recht, besonders nett ist das nicht.

A-L: Und das stimmt ja auch gar nicht…

Ich: Ja, Intelligenz hängt ja nicht von der Haarfarbe ab.

A-L: …das war früher mal so. Aber heute nicht mehr.

Ich: o_O äääh ah ja?

A-L (lacht): Ja, da bin ich noch zur Schule gegangen, als wir das gelernt haben… in Geschichte!

Ich: o_O

Kurze Zeit später:

A-L: Ich glaube nicht, dass es Dinosaurier gegeben hat.

Ich: Naja, aber man hat ja Skelette gefunden, es ist also ziemlich sicher, dass es die gegeben hat.

A-L: Ja okay, aber ich glaube nicht, dass die gefährlich waren…

Ich: Naja, es gibt Forscher, die können zum Beispiel anhand der Zähne rausfinden, was ausgestorbene Tiere gefressen haben. Kurz gesagt: Spitze, scharfe Zähne sprechen für Jäger und Fleischfresser und breite Zähne sind eher gut zum Gemüse zermahlen.

A-L: Aber hä? Menschen essen doch auch Fleisch und Gemüse.

Ich: Ja, wir sind Allesfresser, deswegen haben wir auch vorne eher spitzere Zähne, hinten eher breite.

A-L: Das kann gar nicht sein. Es gibt ja auch Menschen, die kein Fleisch essen!

Ähm ja… an der Stelle habe ich dann einen schnellen Kurzvortrag über Evolutionstheorie gehalten, begleitet von vielen „häää?“ „Krass“ und „Züüüüsch!“ Sieht allerdings nicht so aus, als hätte ihr das eingeleuchtet…

Doch doch doch!

Neulich habe ich an einer schönen Diskussion teilgenommen, zugegeben in den Weiten des Internets. Thema: Wieviel Schuld haben Eltern an ihren Kindern?

Ursprünglich (jeder weiß, Diskussion im Internet enden nie mit dem Thema, mit dem sie angefangen haben) ging es um Kinder und Jugendliche mit erheblichen psychischen Störungen, solche also mit denen ich arbeite. Und ich habe es tatsächlich gewagt zu behaupten, dass es Fälle gibt, in denen Eltern nicht ganz unschuldig an den Problemen ihrer Kinder sind.

Das kam gar nicht gut an. Eltern würden immer das Beste für ihre Kinder wollen, dass wäre eine Unverschämtheit, sowas zu sagen. Und man hofft, dass es nicht noch mehr Profis gibt, die so denken wie ich.

Doch, tun sie. Weil es nämlich die Realität ist. Die meisten Eltern wollen das Beste für ihr Kind, die meisten machen dabei ein paar Fehler, aber das ist völlig normal und menschlich und hat nichts mit Schuld zu tun. Aber es gibt auch andere Eltern, nämlich die, denen ihre Kinder einfach völlig egal sind. Die ihre Kinder vielleicht nicht mal wollten oder nicht mehr wollen und deren Hauptsorge darauf liegt, dass das Kind ihnen nicht auf die Nerven geht. Wir arbeiten mit Kindern, die von ihren Eltern geschlagen, misshandelt oder missbraucht wurden. Die nie eine Bindung zu ihren Eltern aufbauen konnten, weil sie schon zu Babyzeiten nicht verlässlich da waren. Weil sie unter Drogen oder Alkoholeinfluss standen. Weil sie ihre Kinder weggegeben haben. Und dann wiedergeholt und wieder weggegeben. Wir haben Kinder, die ziehen mit 12 (da war ich noch ein Kind!) freiwillig von zu Hause aus, weil es nicht mehr auszuhalten ist. Die leben lieber auf der Straße und das ist auch kein Spaß. Eltern, die ihre Kinder missbrauchen und misshandeln sind schuld an den psychischen Störungen, die die Kinder als Traumafolge entwickeln. Egal, was die Eltern selbst erlebt haben (und was mir manchmal sehr Leid tut), das lässt sich mit nichts entschuldigen (im Wortsinne!). Ich weigere mich, zu behaupten, dass die das ja sicher nicht so meinten, trotzdem das Beste wollten oder einfach gar nicht anders konnten. Alleine schon, wegen des Signals, was dieses Schönreden für die betroffenen Kinder wäre.

Die Person, mit der ich hauptsächlich diskutiert hatte, war Grundschullehrerin. Darin lag vermutlich das Problem. Hochgradig psychisch gestörte Kinder sind für sie vermutlich Kinder mit ADHS oder LRS. Natürlich sind das Störungen, für die Eltern nichts können, das ist ja wissenschaftlich mehr als nachgewiesen. In meiner Arbeit haben hochgradig gestörte Kinder und Jugendliche dissoziale Persönlichkeitsstörungen (das war das Ursprungsthema, bevor die Diskussion um Schuld losging), Posttraumatische Belastungsstörungen, Bindungsstörungen, affektive Störungen und Depressionen. Zusammen. Nicht nur eins davon, selten hat jemand weniger als drei dieser Störungen.

Macht ja nichts, vom diskutieren wird man schlauer. Es hat mich allerdings tatsächlich gewundert, dass es Menschen gibt, die davon ausgehen, dass alle Eltern immer das Beste für ihre Kinder wollen, bzw. sich nicht vorstellen können, dass es Eltern gibt, denen das nicht wichtig ist…

This is not a wish concert

Ich unterhalte mich mit Jason (6). Im Gegensatz zu seiner kleinen Schwester hat er immer noch nicht realisiert, dass er zwei Sprachen spricht und versteht. Für ihn benutzt der eine halt eher das eine Wort, der andere das andere, aber da er beides versteht, fällt ihm nicht auf, dass es unterschiedliche Sprachen mit unterschiedlicher Grammatik sind und es nicht einfach eine Frage der Vorliebe ist, wer welches Wort sagt. Manchmal versuche ich dann, seine Wahrnehmung darauf zu lenken, dass sein Vater für alle Dinge ganz andere Worte benutzt, als zum Beispiel seine Mutter. Mit der kleinen Schwester funktioniert das gut, die liebt das Spiel, wenn ich frage „Und was sagt Daddy zu… ?“. Mit Jason funktioniert es meistens nicht, er behauptet dann steif und fest, dass Daddy ebenfalls das deutsche Wort benutzen würde. Heute frage ich ihn mal wieder und er lässt sich darauf ein, weil er eiiiigentlich aufräumen sollte. Am Ende unseres kleinen Spiels, was wie immer nicht wirklich geklappt hat, frage ich scherzhaft:

„Und, was sagt Daddy zu dir, wenn du deine Autos aufräumen sollst?“

„Please räum the Autos weg!“

„Ähm, ahja… „

„Nein, nein, Daddy sagt: Please räum the cars weg!“

„Ahja, achso…“

Macht und Ohn(e)macht

Man kann seine Kinder erziehen, bis sie 12 sind. Danach kriegt man alles zurück.

So oder so ähnlich lautet ein Spruch, den man oft in Pädagogenkreisen zu hören kriegt. Ob das wirklich genau so stimmt – man weiß es nicht. Fakt ist aber, dass man Kinder nur bis zu einem gewissen Punkt erziehen kann. Irgendwann sind sie einem geistig und körperlich nicht mehr so unterlegen und man kann sich nicht mehr immer und unbedingt gegen sie durchsetzen. Sie haben einen eigenen Willen entwickelt und der stimmt nicht immer mit dem der Eltern über ein.

Hat man alles richtig gemacht, hat man die Kinder in jungen Jahren zu einigermaßen anständigen Menschen erzogen, ihnen beigebracht, ihren Verstand zu benutzen und vor allem aber ein gutes Verhältnis und eine gute Bindung aufgebaut, ist das nicht so dramatisch. Dann tauscht man seine Meinung aus, die Kinder beziehen diese in ihren Meinungsbildungsprozess mit ein (was sie selbstverständlich niemals zugeben würden) und ändern ihre Meinung oder auch nicht. Kinder und Eltern müssen nicht immer einer Meinung sein und man kann ab einem gewissen Altern nicht mehr erwarten, dass Kinder immer machen, was die Eltern wollen. Das ist bei einem guten Verhältnis aber nicht dramatisch. Was aber, wenn das irgendwie nicht geklappt hat?

Mit so einem Fall beschäftige ich mich gerade. Ein Sohn lebt bei seinem Vater und dieser hat zusammen mit der getrennt lebenden Mutter (mit der er sich aber immer einig ist) einen Termin bei mir gemacht, um herauszufinden, ob ihr schwieriger Sohn eine Therapie benötigt. Das Problem ist: Ihr Sohn tut nichts. Zumindest nichts, was sie sinnvoll finden würden. Sein einziges Hobby ist Computer spielen (neben Softair-Waffen, die sie aber verboten haben). Sein Zimmer ist ein einziges Chaos. Zur Schule geht er schon regelmäßig, er ist weder besonders gut, noch besonders schlecht. Aber er liest zum Beispiel nie. Dabei ist lesen doch so wichtig! Seine Mutter hat ihm ein neues Handy versprochen, wenn er 10 Bücher liest. Sein Vater hat ihm seinen Computer, seinen Fernseher und die Playstation weggenommen und das Internet abgedreht, damit er endlich was anderes macht.

Der Sohn, von dem ich hier spreche, wird in wenigen Wochen 18 und geht zur Berufsschule.

Leider hat er (unverschuldelt, das geben sogar seine Eltern zu) im Dezember seinen Ausbildungsplatz verloren. Zur Berufsschule geht er weiterhin. Seine Eltern wollten, dass er umgehend neue Bewerbungen schreibt, er hat aber vorerst nicht damit angefangen. Seinem Vater fiel nichts besseres ein, als ihm daraufhin die Playstation wegzunehmen. Das fand sein Sohn ziemlich unangemessen und logischerweise wollte er nicht, dass sein Vater glaubt, dass das irgendwas bringt. Sonst würde der das ja vielleicht öfter machen! Also hat der Sohn erst recht keine Bewerbung geschrieben. Daraufhin hat der Vater das Internet abgestellt. Das fand sein Sohn noch viel weniger lustig und wollte erst recht nicht, dass sein Vater mit sowas durchkommt. Immerhin ist er schon 17 und kein Kleinkind! Also hat er erst recht keine Bewerbung geschrieben. Darauf hin hat ihm sein Vater den Fernseher weggenommen… blablabla, der Sohn schreibt jetzt schon mal gar keine Bewerbung mehr. Ich könnte stundenlang so weiter schreiben. Aber eigentlich will ich ja auf ein Fazit hinaus.

Vater und Sohn befinden sich in einem Machtkampf sonders gleichen. Der Vater hat gemerkt, dass sein Sohn nicht das macht, was er von ihm will. Er funktioniert nicht so, wie geplant, man könnte sagen, er gehorcht nicht. Anstatt nun auf das gute Verhältnis zu setzen, dem Sohn zu erklären, was Konsequenzen seines Verhaltens sein könnte und daraus zu vertrauen, dass der Sohn seinen Verstand benutzt, will der Vater sich in erster Linie durchsetzen. Das versucht er, in dem er sein Kind bestraft, ihm etwas wegnimmt. Das löst in seinem Sohn Widerwillen aus und dieser will nicht, dass der Vater die Bestrafung als effektiv erlebt. Der Vater kann sich also damit nicht durchsetzen und verschärft wiederum die Bestrafung. Das verschärft den Widerwillen im Sohn und wir drehen uns lustig im Teufelskreis.

Wie man das ganze beendet? Einer von beiden wird vernünftig und gibt auf. Oder, wie der Sohn schon angemerkt hat, er nimmt sich mit 18 einen Anwalt, und klagt sich sein Eigentum zurück. Dann ist der Familienfrieden vermutlich nicht wieder herzustellen.

P.S. In der Familie gibt es noch weitere Probleme, die ich hier aufgrund des Wiedererkennungswertes nicht schildern kann, die aber darauf schließen lassen, dass es dem Vater tatsächlich darum geht, dass sein Sohn seinen Willen zu befolgen hat.

P.P.S. Der Sohn hat zwischendurch mal zwei Bewerbungen geschrieben, aber seine Sachen nicht zurückgekriegt, da dafür die Bedingungen verschärft wurden. Er muss jetzt zusätzlich die theoretische Führerscheinprüfung bestehen. Daraufhin hat der Sohn die Bewerbungen aus Trotz nicht abgeschickt.

Kennt ihr das?

Kennt ihr das, wenn irgendetwas schief geht und ihr denkt „Ach naja, dumm gelaufen, das Leben geht weiter“?

Und dann geht das nächste schief und ihr denkt „So ein Pech aber auch! Aber nun ist gut!“

Und dann geht das nächste schief, dann noch was und es geht immer so weiter? Bis man irgendwann gar nicht mehr aus dem Haus gehen will?

Immerhin funktioniert wordpress bei mir wieder und ich kann wieder posten 🙂

Zwischenfrage

Aus akutem Stress und Zeitmangel ist hier momentan nicht all zu viel los. So ist das leider bei 2 Jobs, ehrenamtlicher Tätigkeit und Umzugsplanung.

Deswegen gebe ich die Arbeit einfach an euch weiter und möchte von euch etwas wissen. Und zwar: Was würdet ihr gerne auf diesem Blog lesen?

Für die nächsten Zeit kann ich euch 3 Themen anbieten:

1.) Umgang mit Trennung und Scheidung

2.) Persönlichkeitsentwicklung bei Kindergartenkindern

3.) Emotionsregulation

Ganz generell möchte ich aber wissen, was würdet ihr in Zukunft gerne lesen? Welche Themen interessieren euch, welche Geschichten?

Ich freue mich auf eure Antworten 🙂

Leben mit der Lüge

*Stellt euch an dieser Stelle bitte den packenden und mitreißend Anfang eines Textes vor, der euch sofort neugierig auf den Rest des Textes macht. Mir fällt gerade keiner ein.*

Für die Arbeit mit Menschen braucht man ein gewisses Fachwissen. Das ist eine ganze Menge, die man da lernen muss, aber es ist zugegebenermaßen nicht besonders kompliziert. Dafür ist das Fachwissen aber auch nur die halbe Miete. In der Arbeit mit Menschen braucht man genau so, wenn nicht sogar noch mehr, andere Fähigkeiten und auch Charaktereigenschaften, die ganz neumodisch global-modern „Softskills“ heißen.

Einer der Softskills ist das, was ich als „Leben mit der Lüge“ bezeichne. Viele unserer KlientInnen stecken in Problemlagen, die sie manchmal selbst nicht wahrhaben wollen, deren Konsequenzen sie nicht aushalten wollen oder von denen sie nicht wollen, dass andere Menschen sie kennen. Auch nicht, wenn es unser Beruf ist, ihnen da raus zu helfen. Und deshalb werden wir angelogen. Ständig. Wenn ich es mir recht überlege, eigentlich sogar jeden Tag. Und das ist eine Sache, mit der man leben können muss. Denn im Gegensatz zu unserem Privatleben können wir nicht sauer oder beleidigt sein, wenn wir angelogen wurden. Dann würden wir mit unserer Arbeit mit dem Klienten oder der Klientin vorerst nicht weiter machen können und auch diese würden sich von uns zurückziehen, wenn sie das merken. Des Weiteren würde es dazu führen, dass sie das nächste Mal gar nicht erst zugeben würden, dass sie gelogen haben, um uns nicht wieder zu verärgern. Ein Stück weit sind unsere Klienten nämlich auch abhängig von uns.

Mir fällt das zum Glück ziemlich leicht. Ich nehme es nicht persönlich, ich kann häufig sogar verstehen, warum ich angelogen wurde. Ich war deswegen noch nie sauer auf meine KlientInnen (interessanterweise sieht das im Privatleben wieder anders aus). Ich ärgere mich maximal ein bisschen darüber, dass die KlientInnen sich mit der Lüge oft das Leben schwerer gemacht haben, als nötig und dass oft ein Teil meiner bisherigen Arbeit damit umsonst war und ich für die Zukunft umplanen muss. Aber eigentlich ist auch das okay, das ist eben meine Arbeit und ich werde auch dafür bezahlt, mal Sachen zu tun, die im Nachhinein sinnlos waren.

Was mir wirklich Probleme bereitet, ist ein aktueller Fall: Eine Klientin erzählt mir Geschichte X. Nach 3 Monaten bittet sie um ein Gespräch, um mir zu erzählen, dass Geschichte X eigentlich nicht stimmt, die wahre Geschichte ist Geschichte Y. Gut, okay. Passiert. Geschichte Y ist um einiges problematischer, da hätte ich wohl auch gelogen.

Nach 2 Tagen bekomme ich einen Anruf aus ihrem Umfeld. Die Klientin hätte unter Tränen erzählt, dass Geschichte Y doch nicht stimmt, es ist doch Geschichte X. Jetzt bin ich in einer Situation, in der ich tatsächlich nicht weiß, was ich glauben soll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Klientin sich Geschichte Y nur ausgedacht hat, denn diese zu erzählen hat weitreichende Konsequenzen für sie gehabt. Gut möglich, dass sie wegen dieser Konsequenzen zurück zu Geschichte X gekehrt ist. Allerdings hat sie vorher das Leben mit den Konsequenzen von Geschichte X nicht mehr ausgehalten, warum sollte sie dann zu der Geschichte zurückkehren? Und die Person, der sie unter Tränen erzählt hat, dass doch Geschichte X stimmt, hat große Vorteile von Geschichte X. Ich kann also momentan nicht rausfinden, was die Wahrheit ist und dementsprechend im Prinzip nicht weiterarbeiten.

Gute Arbeitgeber haben für solche Fälle Teambesprechungen und Supervision, meiner nicht. Ich habe meinen Blog 😉

Das Pony des Todes

Mit die schönsten Geschichten, die ich erlebe, sind ja immer die mit Emily und Jason, die zweisprachig aufwachsen und von denen ich schon öfter berichtet habe. Da sie die Sprachen nicht immer klar trennen können, entstehen oft lustige Situationen und am besten ist, dass ich sogar mitlachen kann. Die beiden sprechen nämlich Deutsch und Englisch und beides verstehe ich.

Neulich wollte Emily (4) mir unbedingt von einer Sendung erzählen, die sie gesehen hatte, als sie bei ihrem Vater zu Besuch war, nämlich „Peppa Pig“ (im Deutschen „Peppa Wutz“, aber das wissen vermutlich alle, die Kinder haben, sofort). Ihr Vater ist der englischsprachige Elternteil, weshalb sie dort auch nur englische Sendungen gucken. Das stellte Emily nun vor ein Problem: In einem deutschen Gespräch mit mir wollte sie über eine Sendung berichten, die sie nur auf englisch kennt und in der also alles auf Englisch beschrieben wird und Dinge nur auf Englisch passieren. So erklärte sie mir also Grundlagen und die Fernsehsituation auf Deutsch, den Inhalt und die Charaktere aber auf Englisch, so dass mehrmals im Satz die Sprache wechselte.

Im Gegensatz zu ihrem großen Bruder hat Emily allerdings ein beginnendes Verständnis dafür, dass sie 2 Sprachen spricht und bei verschiedenen Personen auf jeweils eine bestimmte der Sprachen gefragt ist. Bei mir ist das Deutsch. Das führte dazu, dass sie ab und an gemerkt hat, dass sie Englisch mit mir spricht und nach den deutschen Wörtern gesucht hat, um für mich zu übersetzen. Das mit 4 war einfach nur herzallerliebst. Das hörte sich dann ungefähr so an:

Emily: George is little. Klein.

Ich: Ja?

Emily: „Little“ is Englisch.

Ich: Ja, auf deutsch sagt man „klein“

Emily: Ja. Daddy macht immer Englisch!

Später habe ich sie dann ins Bett gebracht, was natürlich nicht ohne ihr neues Kuscheltier ging. Dabei handelt es sich um ein ganz und gaaaar nicht übertrieben buntes, kitschiges Ding aus der „My little Pony“ – Familie namens Rainbow Dash. Kein Problem für die englischsprachige Emily, wenn… sie nicht lispeln würde. Sie stellt mir also das Tierchen vor, ich gucke sie irrtiert an: „Das ist Rainbow Death?“ Man weiß ja nie, vielleicht will „My little Pony“ mehr männliche Kunde erreichen oder ist feministischer geworden und die Ponys tragen mittlerweile tödliche Kämpfe untereinander aus. Emilys geschockter Blick lässt mich allerdings zweifeln: Neiiiin! Nicht Rainbow Death. Is Rainbow Daassssshsss!“

Oh. Rainbow Dash. Wohl doch nicht das Todespony des Regenbogens.

 

Eine Weihnachtsgeschichte

Durch meine Arbeit in der letzten Woche habe ich kurze Gespräche mit unzähligen Menschen geführt, während ich gegen eine Spende für einen guten Zweck ihre Geschenke eingepackt habe.

Ich habe dadurch interessante Menschen kennen gelernt.

Freundliche, die mir voller Vorfreude erzählt haben, mit wem sie Weihnachten verbringen und für wen die Geschenke sind.

Gestresste, die sich gefreut haben, dass ich mir Zeit genommen und ihnen Arbeit abgenommen habe.

Eine blöde Kuh.

Dankbare Menschen, die auch lange in der Schlange gewartet haben, weil sie überhaupt keine Geschenke einpacken können und der Überzeugung waren, egal wie ich es mache, es sieht besser aus, als wenn sie es selber machen.

Einsame Menschen, die nur eine Schachtel Pralinen an ihren Nachbarn verschenken können, weil sonst niemand da ist und die sich freuen, 5 Minuten mit uns reden zu können.

Mütter, die heimlich noch eine Last-Minute-Überraschung für ihre Kinder kaufen und diese gleich einpacken lassen, weil sie zu Hause keine Gelegenheit mehr haben, das zu tun.

Besoffene und geistige verwirrte Menschen, die von mir wissen wollten, was mit der Welt nur los ist und wo der nächste Spirituosenladen ist.

Ein Student, der Geschenke verpacken gegen Geld faschistisch findet.

Viele, viele tolerante Menschen, die verstanden haben, dass wir keine professionellen Einpacker sind und Geld für einen guten Zweck sammeln und auch zufrieden waren, wenn manche Geschenke etwas… experimentell… eingepackt waren. (Schon mal ein Porzellanhuhn in Geschenkpapier gewickelt?)

Eine Person aus Japan, eine aus Serbien und eine aus dem Kongo, für die ich sogar meine Englischkenntnisse reaktiviert haben.

Entspannte Menschen, die sich auch durch völlige Überfüllung, Wärme und Lautstärke nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Es kamen Mütter, Töchter und Omas,Paare und Alleinstehende, Väter, Brüder, Söhne und Opas, Kollegen, Chefinnen und Arbeitnehmer. Ich habe in dieser Woche mit über 100 Leuten gesprochen und davon waren 3 unfreundlich. Der Rest war freundlich und entspannt. Die Welt scheint doch gar nicht so schlecht zu sein. Lasst uns Weihnachten dieses Jahr zum Anlass nehmen, an das Gute zu glauben.

Egal, ob ihr nun Mütter, Töchter, Omas, Teil eins Paars, Alleinstehende, Väter, Brüder, Söhne, Opas, Kollegen, Chefinnen, Arbeitnehmer oder noch etwas anderes seid: Ich wünsche euch frohe und entspannte Weihnachtstage!